Arbeitssucht

Arbeitssucht – Fluch oder Segen?

Ich habe gerade das Staffelfinale von der Sendung „Suits“ gesehen. Für die, die diese Sendung nicht kennen, es geht im Endeffekt um eine paar Anwälte, die einen dramatischen Fall nach dem anderen in Angriff nehmen. Die Krux ist, dass einer der Protagonisten, Mike Ross, gar kein Anwalt ist und sich lediglich anhand seines fotografischen Gedächtnisses und seiner erhöhten Intelligenz durch das Bewerbungsgespräch fuchsen konnte. Aber das ist gar nicht relevant für diesen Artikel. Worauf ich hinaus möchte ist, dass diese Anwälte und deren Gehilfen Tag und Nacht arbeiten, ohne auch pnur die kleinsten Auszeiten zu nehmen. Sie sind Workaholics. Arbeitstiere. Ich kann nicht beurteilen, ob diese Charaktere als Arbeitssüchtig dargestellt werden sollen, aber es macht auf jeden Fall den Eindruck. Nichts steht über der Firma. Die engen Kollegen werden als Familienmitglieder bezeichnet. Die Karriere ist heilig. Persönliche Beziehungen außerhalb der Firma spielen keine Rolle. Die Ergebnisse zählen, egal wie viele Überstunden gemacht werden müssen.
Fernsehserien neigen dazu nicht ganz realitätsnah zu sein. Deswegen schauen wir sie uns schließlich an. Aber diese behavioralen Eigenschaften der Figuren findet man auch im echten Leben wieder. Bei echten Workaholics.

Und diese Arbeitssucht kann zu einem erhöhten Risiko der Erkrankung an psychologischen Störungen führen.

Wann ist man Arbeitssüchtig?

Forscher von der Universität Bergen haben den Zusammenhang zwischen der Arbeitssucht und den Symptome verschiedener psychologischen Störungen untersucht. Um festzulegen, ob es sich bei den Versuchspersonen um tatsächliche Workaholics handelt, haben sie folgende Kriterien aufgestellt:

Die Versuchspersonen mussten auf einer Skala von 1 (nie) bis 5 (immer) angeben, welche Erfahrungen sie in dem vergangenen Jahr gemacht haben:

  • Sie denken daran, wie sie sich mehr Zeit zum Arbeiten verschaffen können
  • Sie arbeiten viel länger, als sie es anfangs geplant haben
  • Sie arbeiten, um Schuldgefühle, Sorgen, Hilflosigkeit oder depressive Verstimmungen zu reduzieren
  • Andere haben Ihnen gesagt, dass Sie weniger arbeiten sollen und Sie haben nicht auf diese Personen gehört
  • Sie werden gestresst, wenn sie von der Arbeit abgehalten werden
  • Hobbies, Freizeitaktivitäten und/oder Sport verlieren durch die Arbeit an Priorität
  • Sie arbeiten so viel, dass Ihre Gesundheit darunter leidet

Werden 4 oder mehr Aussagen mit einer 4 (oft) oder 5 (immer) bewertet, handelt es sich um einen Workaholic.

Die Skala „Bergen Work Addiction Scale“ hat die Variable Arbeitssucht operationalisiert, indem die Symptome anderer Süchte genutzt wurden: Salienz (d.h. dass ein Reiz hervorgehoben wird und einer Person leichter bewusst wird, als ein nicht-salienter Reiz), Konflikt, Toleranz, Entzug, Affektbeinflussung, rückfällig werden und andere Probleme bekommen.

Arbeitssucht und psychische Störungen

In ihrer Studie The Relationships between Workaholism and Symptoms of Psychiatric Disorders: A Large-Scale Cross-Sectional Study hat das Forschungsteam aus Bergen um Cecille Schou Andreassen anhand einer Stichprobe von 16.426 Personen den Zusammenhang zwischen der Arbeitssucht und psychologischen Störungen untersucht. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Workaholics im Durchschnitt einen höheren Score bei allen Symptomen verschiedener Störungen aufweisen, als nicht-Workaholics. Die Hauptbefunde beziehen sich auf die Störungen ADHS, Zwangsstörung, Angststörung und Depression:

  • 32.7% haben die Kriterien für ADHS erfüllt (12.7% der Nicht-Workaholics erfüllten die Kriterien)
  • 25.6% für Zwangsstörungen (8.7% der Nicht-Workaholics)
  • 33.8% für Angststörungen (11.9% der Nicht Workaholics)
  • 8.9% für Depression (2.6% der Nicht-Workaholics)

Die Forscher behaupten, dass die Eigenschaft seine Arbeit auf eine extreme Art und Weise zu verfolgen, ein Indiz für eine tiefer liegende psychologische Störung oder für emotionale Probleme sein kann. Die Frage was jetzt genau die Ursache für diesen Zusammenhang ist steht noch offen. Es steht jedoch fest, dass die Forschung in diesem Bereich definitiv weitere Untersuchungen führen muss.

Fazit

Diese ersten Ergebnisse zeigen, dass die Arbeitssucht eindeutig keine so positive Eigenschaft ist, wie sie oft in Film und Fernsehen dargestellt wird. Ich fühle mich jetzt ein bisschen besser, wenn ich auf der Couch sitze und mir Serien über Workaholics reinziehe, weil ich weiß, dass ich meine Zeit genießen kann ohne mir Vorwürfe machen zu müssen, dass ich diese Zeit auch fürs Arbeiten nutzten könnte.

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